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Tagarchiv

Die Einzigartigkeit einer Nicht-Metropole

Jörg Albrecht ist jung, vielbeschäftigt mit unzähligen und weitreichenden Ideen, auch über Text- und Genregrenzen hinweg. So bedeutete die Veröffentlichung seines neuen Romans Anarchie in Ruhrstadt beispielsweise nicht, dass es sich um ein abgeschlossenes Kapitel handelt. Vielmehr wurde das Konzept erweitert und Albrecht organisierte im September zusammen mit mehreren Performancegruppen zwischen Mühlheim und Oberhausen die Ur- und gleichzeitig Letztaufführung der dynamischen Theatertour 54. Stadt. literaturundfeuilleton traf den Romanautor während einer Probenpause in Oberhausen, im Roman das Zentrum des als Ruhrstadt zusammengeschlossenen Ruhrgebiets. Wir sprachen u.a. über seine Projekte, den Kulturbetrieb und den Strukturwandel im Ruhrgebiet. von PIA ALEITHE und NADINE ...

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Hilfe! Ich wurde Opfer einer Aufklärung über den Kapitalismus…

…und habe viel dabei gelacht. Jedoch bekam man es auch mit der Angst zu tun, als das Schauspielhaus Bochum am Samstag, den 25. Oktober die Premiere Gespenster des Kapitals nach Honoré de Balzac in den Kammerspielen präsentierte. Laut, ernst, satirisch erschafft der Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer mit seiner Inszenierung einen Genremix, der zum Lachen und Denken anregt. Eine Welt, in der das Ende des Kapitalismus das glückselige und kitschige, nicht das apokalyptische Ende bedeutet. von SILVANA MAMMONE

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Poesie statt Politik

Mit Die Unvernünftigen sterben aus beschließt das Schauspielhaus Bochum sein erstes Premierenwochenende. Aus dem 1973 als politisches Drama gedachten Stück Peter Handkes macht Regisseur Alexander Riemenschneider nun ein poetisches Psychogramm des Unternehmers Hermann Quitt. Schließlich ist die wirtschaftliche Komponente im 21. Jahrhundert aktueller denn je, wurde aber nicht in die Gegenwart transportiert – ein sehenswerter Abend ist es dennoch. von ANNIKA MEYER

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Drogenrausch im Sommernachtstraum

Es gibt Stücke, die so oft ihren Weg auf die Bühne gefunden haben, dass sich die Fragen stellen: Wie soll es möglich sein, Besucher aller Altersstufen mit dem ‚alten Hut‘ noch anzulocken? Und wie kann der Stoff noch neu erzählt werden? – Shakespeares Sommernachtstraum ist genau eines dieser Stücke. Christina Paulhofer katapultiert mit ihrer Inszenierung Shakespeares Verwechslungskomödie in eine Gegenwart zwischen Bankenkrise, Drogenrausch und Elektrobeats. von NINA STEINERT

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Was Mädchen so mit kleinen Jungs anstellen

Ein Kindheitsroman, ein Künstlerroman, ein Abgesang auf die perfiden Strukturen des postpostmodernen Wirtschaftsunternehmens Kunst? Viel scheint geboten in Elsa ungeheuer, einem Roman, in dessen Zentrum eine ebenso biestige wie wunderbare, schreckliche wie königliche, zutrauliche wie ungezähmte Göre steht. Vielleicht zu viel. von SYLVIA KOKOT

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Rotkäppchen ist eine Hure

Clemens Meyer ist mit Im Stein ein fulminanter Gesellschaftsroman gelungen, der sich zu Recht auf der diesjährigen Shortlist des Deutschen Buchpreises wiederfindet. Im Stein ist ein wahres Spiegelkabinett der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und historischen Ereignisse und Entwicklungen seit der Wende. Diese vielstimmige Montage aus Rotlicht-Biographien, manchmal surreal, manchmal zutiefst spießig, manchmal höchst aufgeräumt, aber nie klischeehaft, entwickelt einen wahren Erzählsog, dem sich der Leser nicht zu entziehen vermag. von NADINE HEMGESBERG

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